Filmkritik mit Yannic
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The Wolf of Wall Street

Sex, Drugs and Money

 

J

ordan Belfort ist Börsenmakler an der Wall Street und kaum über 20 als an seinem ersten Arbeitstag der Schwarze Montag vom 19. Oktober 1987 über ihn hereinbricht. Getrieben vom Drang nach Geld versucht er sich anderweitig in dieser Branche und schon bald klingeln die Kassen auch nur so, allein in seinem 26. Lebensjahr verdient er mit seiner eigens gegründeten Firma 49 Millionen Dollar. Das Geld bringt Luxus, Sex und viele, viele Drogen mit sich, doch zeitnah auch das FBI, denn war das alles legal?
Der Gedanke, wenn man sich vor Augen hält, dass die Geschichte nicht nur der Fantasie eines Hollywood-Drehbuchautors entsprungen ist, sondern sich wirklich zugetragen hat, ist schlichtweg absurd genial, man kann sich in seinen kühnsten Träumen kaum die Ausmaße dieses Reichtums vorstellen und denkt nur so: „Oh mein Gott hat der viel Kohle“. Apropos Drehbuchautor die Biografie des echten Jordan Belforts diente als Grundlage für Terence Winters abgedrehtes und oscarnominiertes Skript. Der Erfinder der von HBO produzierten Erfolgs-Gangsterserien „Die Sopranos“ und „Boardwalk Empire“ kennt sich in der Zusammenarbeit mit Regisseur Martin Scorsese spätestens seit „Boardwalk Empire“ bestens aus, und wenn wir schon bei „Boardwalk Empire“ sind, das ein oder andere bekannte Gesicht aus der Mafiaserie taucht in „The Wolf of Wall Street“ ab und zu auch mal auf.
Der allgemeine Cast besticht durch Stars und phänomenale Performances, eine Oscarnominierung sprang für Jonah Hill als bester Nebendarsteller zu Recht heraus. Hill beweist wie schon in „Moneyball“, dass er ein mehr als ernstzunehmender Schauspieler ist, für seine Rolle in „The Wolf of Wall Street“ begnügte er sich „nur“ mit dem Mindestgehalt von 60000 US-Dollar, weil er unbedingt an der Seite von Leonardo DiCaprio in einem Scorsese-Film spielen wollte. Neben ihm sieht man in Nebenrollen noch Stars und Größen wie Matthew McConaughey, der zurzeit sich Oscarchancen mit „Dallas Buyers Club“ ausmalt und damit gegen den Hauptdarsteller von „The Wolf of Wall Street“ kongruiert, doch dazu später mehr. Außerdem ist Oscargewinner Jean Dujardin (“The Artist“) zusehen oder Rob Reiner, der im Film sich mit dem Spitznamen „Mad Max“ produziert. Die größte weibliche Rolle gehört Margot Robbie, welche dem Ganzen Sexappeal und Erotik verleiht, lange hat man nicht mehr eine so übertrieben attraktive Frau im Kino gesehen. Doch allen auf der Nase tanzt Leonardo DiCaprio, der von arrogant, ernst, egoistisch, lustig, charmant, liebend und besonders oft high so gut wie jede Facette zeigt. Irgendwann ist der Oscar für einen der größten Schauspieler unserer Zeit mal nötig, denn er ist schon lange überfällig, meiner Meinung nach schon seit „Catch Me If You Can“ 2002. Wenn man den Film schaut denkt man sich nur: „Da ist kein Zweifel, der Oscar muss her.“ Schwer wird er es dieses Jahr trotzdem haben, denn die Konkurrenz schläft nicht, ihm stellen sich wie schon erwähnt Matthew McConaughey, zudem Christian Bale („American Hustle“) und Chiwetel Ejiofor („12 Years a Slave“) in den Weg.
Man schaut den Film und denkt sich: „Man ist das sau lustig“. Er ist zugegeben einer oder der komischste Film des Martin Scorsese, denn er kreiert die überspitzteste Satiremöglichkeit die geht. Komik wird besonders erzeugt wenn Drogen im Spiel sind z.B. als Jordan total high versucht in sein Sportauto einzusteigen oder wenn Flüge nur vollgedröhnt überstanden werden können. Im Endeffekt geht es mehr um Drogen als das einem die Welt der Börse geöffnet wird, wer das will sollte lieber Oliver Stones „Wall Street“ aus dem Jahr 1987 schauen. Ernste Töne bekommt der Film in Sicht auf das Familienverhältnis, wenn Jordan vor den Augen seiner Tochter eskaliert.
Für Unterhaltung ist in Scorsese wildesten Trip durch seine Inszenierung immer gesorgt. 180 Minuten dauert „The Wolf of Wall Street“ und im für Scorsese untypischen Director‘s Cut, der zum DVD-Start in ein paar Monaten erscheinen wird, ist die Fassung sogar nochmals um 80 Minuten erweitert. Anfangs wollte Scorsese alles im Kino zeigen, doch aufgrund deftiger Sexszenen musste der Film auf „nur“ 180 Minuten runtergeschnitten werden. In Scorsese oscarnominierter Regie spiegeln sich typische Elemente wie das gradlinige Sprechen der Hauptfigur direkt in die Kamera wieder -  so cool und einfach genial. Die 180 Minuten schauen sich wie im Flug und wirken durchaus kürzer – immer ein Plus. Zudem ist Scorsese Stil unverkennbar, sonst nutzte er Brutalität in seinen Mafiameisterwerken als Stilelement, hier ist es diesmal Sex und Erotik, und das in ausreichender Anzahl. Die Musikauswahl ist ebenfalls große Klasse und 100 Millionen Dollar Budget merkt man dem Film in jedem Detail an – 1+. Minuspunkt ist einzig, dass man die Figur des Jordan Belforts nicht durchgehend sympathisiert, am Ende steht selbst der unmoralische Verrat den Belfort zum Ende des Films an den Tag legt, in Mafiafilmen wirkt Scorseses Faible für skrupellose Menschen, die ihre Humanität verlieren, doch in „The Wolf of Wall Street“ ist dies nicht durchweg der Fall, weil Belfort ja nicht wie die Mitglieder der Mafia von Kindesbeinen so gepolt ist. Trotzdem gewinnt man der Figur teils im Heist-Movie-Stil unvorstellbar viel ab, was in erster Linie natürlich Leonardo DiCaprios unvergleichlichem Spiel zu verdanken ist.
Entweder Scorsese und DiCaprio verleiten einem zu dem Gedanken: „Ich will auch so ein Leben“, dann haben sie einen gepackt, oder man lässt sich halt, für mich schwer verständlich, nicht verführen und kann keine Begeisterung für so einen kollegial genialen Cast, Regisseur und eine so herrlich abgedrehte Geschichte aufbringen, derjenige sollte dann den Kinobesuch auch meiden, denn dann können 180 Minuten zur Tortur werden. Sonst ist „The Wolf of Wall Street“ was für Fans von Leonardo Dicaprio, Martin Scorsese und abgedrehte Satiren.
Unvergleichlicher Film, denn Scorsese kann man nur mit Scorsese vergleichen, krass, wilder, Scorsese, sein wildester Trip als pures Unterhaltungskino.

Bewertung: 9,0
/10 Punkte – Scorsese besitzt seine eigene Liga, und Leonardo DiCaprio fungiert zudem als Produzent in seiner hoffentlich ersten Oscarrolle -  „The Wolf of Wall Street“ für 5 Oscars nominiert (Bester Film, Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch)






Bildquellen:
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