Filmkritik mit Yannic
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Stromberg - Der Film

Papa hat’s voll drauf

Wenn nach fünf Staffeln „Stromberg“ Christoph Maria Herbst („Der Wixxer“) als berüchtigter Bürochef Bernd die große Leinwand der Kinos erobert kann man nur sagen: „Der Papa hat’s voll daruf.“
Die Büro-Satire „Stromberg“ läuft seit 2006 sehr erfolgreich im deutschen Fernsehen und kann 2014 dank reichlicher Unterstützung durch das moderne Internet-Sponsoring Crowdfunding in den Lichtspielhäusern begutachtet werden. Mit dieser Methode des Geldgebens kann jeder ab einer bestimmten Grenze Geld zur Filmproduktion online bereitstellen.
Im Film, der sich so anfühlt wie eine überlange Folge der Serie, fährt Bernd Stromberg, Chef eines Büros der Capitol-Versicherung, mit seiner Belegschaft zur bundesweiten Firmenveranstaltung, da der runde Geburtstag sowie interne Veränderungen der Capitol anstehen. Dass diese Feier zum Fiasko auserkoren ist erschließt sich nicht nur dem gekonnten Stromberg-Kenner, denn der Papa ist ja vor Ort und vor dem ist ja bekanntlich nichts sicher. Die Frage ist einzig das Wie und darauf freut man sich in „Stromberg - Der Film“ am meisten.
Regisseur Arne Feldhusen („Der Tatortreiniger“) nutzt Kommentarrückblenden und Blicke der Darsteller in die Kamera als Stilelemente um den Zuschauer mit dieser dokumentarischen Art und Weise genau wie in der Serie auch hier im Film bei Laune zu halten. Dadurch muss sich „Stromberg“ als eines der wenigen guten deutschen Formate auch vor internationalen Pendants wie „The Office“ nicht verstecken. Simple, aber genau auf den Punkt gedreht, nimmt der Film noch mehr als der TV-Vorreiter Politik und unsere Gesellschaft aufs Korn und macht sich dabei über reale Probleme wie Jobsicherheit mit Bedacht lustig. Neben dieser ganzen Fülle an Komik verleiht er doch mehr als gedacht tiefsinnig Ernsthaftigkeit indem in Verbindung mit Karriere, Lebenssinn und Liebe auf unterschiedlichste Weise das Leben selbst in seinen ernsten und schönen Methoden porträtiert wird.  Etwas übertrieben wurde gen Ende, als es zu Schlägerei im Frühstückzimmer des Hotels kommt, eine Situation kreiert, die ein wenig übers Ziel hinausschießt und zum fremdschämen avanciert, wenn Fisch als Schlagkeule dient. Zuviel des Guten sind ebenfalls die Demos, welche Stromberg durch die Medien ganz Europas präsent werden lassen und Vergleiche zu großen Diktatoren oder Volkshelden unumgänglich sichtbar machen.
Durch die einzigartigen Sprüche, Ideen und großartig gezeichneten Figuren des Autors Ralf Husmann kann Christoph Maria Herbst perfekt in seine Parade- und mehrfach ausgezeichnete Rolle an der Seite von Bjarne I. Mädel und Milena Dreißig schlüpfen. Eine unvergleichliche Figur, die das deutsche Fernsehen nicht mehr missen darf. Herbst’s Spiel mit Mimik, Gestik, Stimme und dem Ausdruck seiner Augen sucht im deutschen Comedyfach seines Gleichen. In der besten Büro-Satire, die unser Land vielleicht jemals herausgebracht hat, folgt ein Gag auf den Anderen und, sodass man gar nicht mehr aus dem Lachen herauskommt. Lange war ein Kinobesuch nicht mehr so witzig, dass man den einen Lacher wegen eines Vorangegangenen nicht auffassen konnte, so etwas erlebte ich vergleichsweise nur in „Der Schuh des Manitu“. Wie anfangs eben schon erwähnt: „Der Papa hat’s voll drauf!“

Bewertung: 8,5/10 Punkte – eine deutsche Komödie, die amerikanische Vorbilder in den Schatten stellt und ruhig noch länger als 2 Stunden hätte gehen können, wer die Serie liebt wird bei dem Film gleichziehen  






Bildquellen:
-http://video.giga.de/data/stromberg-der-film-trailer-check-infos-deutsch-german-hd.jpg
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