Filmkritik mit Yannic
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Rush - Alles für den Sieg

(2013/123 Minuten/FSK 12)

Wie Tag und Nacht

Was auf den ersten Blick wie ein typischer Hollywoodfilm einer wahren Begebenheit aussieht erweist sich als echter Edelstein des Kinojahres 2013. Oscar-Preisträger Ron Howard („Apollo 13“, „A Beautiful Mind“) bannt uns in „Rush - Alles für den Sieg“ die Geschichte zweier Leistungssportler auf die Leinwand, die unterschiedlicher nicht seien könnten. Wie Tag und Nacht Treffen 1970 zum ersten Mal die Rennfahrer James Hunt und Niki Lauda aufeinander, der eine Brite, Playboy und Lebemann, der andere Österreicher, Techniker und Perfektionist. Zwei Personen die rein gar nichts miteinander verbindet, bis auf eines, den unbedingten Willen zum Sieg. Das Hauptaugenmerk der Geschichte liegt im Jahre 1976, Lauda gewann die vorhergehende Formel-1-Saison und liegt auch diesmal fast uneinholbar vorn, doch James Hunt glaubt noch bis zum Schluss an seine Chance, bis es zum berüchtigten Unfall am Nürburgring kommt, bei dem Lauda um sein Leben bangen muss ... In dieser europäisch-amerikanischen Co-Produktion stimmt einfach so gut wie alles und ganz besonders besitzt „Rush“ ein großes Plus – die Rennszenen. Allein schon der Anfang lässt einem die Kinnlade bis zum Boden fallen, einen so furiosen und temporeichen Einstand gab es schon lange nicht mehr im Kino. Selbst im ersten Aufeinandertreffen der Zwei in der Formel-3 geht es zur Sache und wenn man dazu noch „Gimme Some Lovin'“ hört fühlt man sich wieder in die 70ies zurückversetzt. Ein obercooler und zeitgemäßer Soundtrack aus Rocksongs wird komplettiert durch einen Score vom derzeit einflussreichsten Filmmusikkomponisten unserer Zeit - Hans Zimmer („Gladiator"), der für seine musikalische Arbeit an „Rush" ruhig mal wieder einen Filmpreis verdient hätte. In den Rennen geht’s richtig ab, da nimmt einen der Film voll und ganz ein, da kommt man sich wortwörtlich vor als sitze man mit im Auto. Es rast, es wackelt, es flimmert und wenn man die Zylinderkolben von innen aneinanderschlagen sieht und laute Motorengeräusche hört besitzt man endgültig das Gefühl des Mitfahrens. Mit kaum zu erkennenden Spezialeffekten (positiv gemeint, weil es damit nur umso realistischer wirkt), gut dosiert eingesetzt, werden Orte und Rennen wiederbelebt, die mittlerweile schon über 35 Jahre zurückliegen. Da zollt man allen beteiligten Respekt, dass dieses imposante Machwerk nur 38 Millionen US-Dollar gekostet hat. Mal seit langem ein Film, der nicht höher, weiter, schneller sein möchte, zumindest was das Drumherum angeht, sondern dies wirklich nur in Bezug auf seine Geschichte beweisen möchte und gut erzählte Geschichten kommen in Hollywood derzeit ja eh viel zu kurz.  Die Optik ist der Wahnsinn, wenn aus simpel erscheinenden Dingen, wie vorbeiziehenden Wolken oder Regen der auf der Straße aufschlägt das Optimum herausgeholt wird. Ron Howard macht was das Timing angeht alles richtig, es wird Slow Motion eingesetzt, der Schnitt erfolgt während der Fahrten so rasant, dass das pure Tempo vermittelt wird, jedoch wiederholt sich Howard nie dabei und dazu findet er stets immer neue Winkel und Einstellungen um die Autos in jeder Lage bildlich einzufangen, er besitzt halt ein Händchen fürs Filmemachen. Wie schon erwähnt ist neben den Rennen die Geschichte selbst das Highlight, das gesamte Formel-1-Szenario wird nur als Rahmen einer Geschichte genutzt in der Zwei Männer an ihre Grenzen geraten und bei denen aus Hass sich durch Rivalität eine Art Freundschaft entwickelt. Das Miteinander von Hunt und Lauda ist sagenhaft. James Hunt wird verkörpert durch den Australier Chris Hemsworth („Thor“), bei dem im Film schon die optische Ähnlichkeit verführt, doch übertreffen wird Hemsworth und den Rest des Cast durch einen – Daniel Brühl („Good Bye Lenin") als Niki Lauda, allein schon die Imitation des Akzents im Original sowie in der Synchronfassung ist umwerfend gut, doch wenn Brühl erst mal in Fahrt kommt fühlt es sich so an als würde der echte Niki Lauda vor einem zu sehen sein. „So muss es damals gewesen sein“ denkt man sich und wenn ein Schauspieler das schafft, eine Person echt, authentisch und realistisch darzustellen, ist sein Ziel erreicht. Brühl spielt wirklich oscarreif, er bannt die perfektionistische Mentalität von Lauda so fantastisch auf die Leinwand, dass sein zukünftiger Weg in Hollywood hiermit geebnet sein dürfte. Des Weiteren sieht man als deutsche Beteiligung Alexandra Maria Lara („Der Untergang") als Lauda‘s Frau Marlene, die das um Längen besser macht als ihr amerikanisches Pendant Olivia Wilde („Cold Blood"), welche James Hunt’s Frau Suzy Miller darstellt. Mit den beiden Frauen erlangt der Film zusätzliche Schönheit und sogar Erotik. „Rush“ ist mal seit einiger Zeit wieder der Beweis, dass nicht das Budget das Niveau des Films bestimmt sondern einzig und allein eine gute Geschichte und deren grandiose Umsetzung. Eine Story, wie sie nur das Leben selbst schreiben kann und die von so viel Rivalität getragen wird, dass am Ende der Eine nicht mehr ohne den Anderen kann, denn „Um Champion zu werden muss man 100-prozentig daran glauben!“1

@Jens Bähr