Filmkritik mit Yannic
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Prisoners

Abgrund der Seele

W

ie man aus dem Titel schon entnehmen kann nimmt „Prisoners“ einen regelrecht gefangen und lässt auch nach dem Schauen nicht sofort los. Wie geht man damit um, wenn die eigenen Kinder plötzlich entführt werden, jeder wird dies sicherlich etwas unterschiedlich hinter sich bringen und darum handelt sich „Prisoners“ im Allgemeinen. Die Familie Dover und Brich feiern gemeinsam Thanksgiving bis ihre beiden kleinen Töchter spurlos verschwinden, das einzige Indiz deutet auf einen Wohnwagen hin … Dies ist die Ausgangssituation des Films, indem es wie erwähnt um den Umgang mit dem Trauma der Kindesentführung geht, Familie Brich sucht auch nach den polizeilichen Einsetzen noch verzweifelt weiter, Mutter Dover versetzt sich mit Tabletten in den Schlaf und Vater Dover (Hugh Jackman) greift zur Selbstjustiz und da wird’s spannend. In 153 Minuten wird sich viel Zeit genommen um Spannung aufzubauen und mit einem stätig anlaufenden und anwachsenden Aufbau gelangt man in den Bann diese Films, der einem am Ende gar nicht mehr loslassen will. Besonders hilfreich dabei ist die Atmosphäre, die triste, winterliche und verregnete Vorstadt erzeugt ein Umfeld in dem sich keiner der Zuschauer von „Prisoners“ wohlfühlt, aber der sich keiner entziehen kann. Durch simple Kameraeinstellungen von Bäumen oder verschneiten Waldstücken erschafft Kameralegende und Virtuose Roger Deakins („Die Verurteilten“, „Skyfall“), der sich regelmäßig durch die Zusammenarbeit mit den Coen-Brüdern publiziert, einen mehr als unbehaglichen Ort. Seinen Teil zur Atmosphäre und Spannung trägt auch die mysteriöse und teils hämmernde Musik bei. Abgemessen werden Schreckmomente und grauenvoll realistische Brutalität präsentiert, die einem lange im Kopf bleiben, am liebsten erst gar nicht hinsehen lassen würden und trotzdem effektvoll fesseln. All das gibt den Schauspielern viel Raum für Performances, die sich bei den Oscars nicht verstecken müssen. Allen voran Hugh Jackman als leidender und tatkräftiger Vater, Jake Gyllenhall als verbissener Provinzpolizist und Paul Dano als zurückgebliebener Verdächtiger spielen groß auf, wobei Dano’s Darstellung schon ans Perfide grenzt, was absolut positiv gemeint ist, lange gab es im Kino keinen so verstörenden Charakter mehr. „Prisoners“ ist ein Thriller erster Klasse und der lediglich nur wenige Fragen offen lässt. Es ist erschreckend, wie weit Menschen gehen können. Die menschlichen Abgründe werden von Regisseur Denis Villeneuve genau und perfide unter die Lupe genommen. Klug war seine Entscheidung ein offenes End zu wählen, denn damit beschäftigt einen der Film auch noch nach dem Kinobesuch umso mehr. „Prisoners“ wird von der puren Angst getragen, die besonders durch die realistische Figuren und die Atmosphäre entsteht. Ein zu tiefst verstörender Film, der nur mit Meisterwerken wie David Fincher‘s „Sieben“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ verglichen werden kann.

Bewertung: 9,0/10 Punkte – extrem packender und melancholischer Thriller, der von seiner Ruhe, deren Ausbrüchen und der lebensnahen Geschichte lebt



Bildquellen:
-http://www.indiejudge.com/wp-content/uploads/2013/12/prisoners-poster.jpg
-http://www.bearcastmedia.com/wp-content/uploads/2014/02/Prisoners-5.jpeg
-http://whysoblu.com/wp-content/uploads/2013/09/prisoners-whysoblu-1.jpg