Filmkritik mit Yannic
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King Kong

(USA/Neuseeland/Deutschland/2005, 187 Minuten, Abenteuer/Action/Drama, FSK 12)

 

„Schönheit hat das Biest zerstört“1

                                                                            

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itte der 90-er Jahre hatte der neuseeländische Regisseur Peter Jackson die Vision seine Kindheit wiederzubeleben, doch dies wurde aufgrund des epochalen „Herr der Ringe“-Spektakels erst einmal auf Eis gelegt. Jackson bezeichnete den Film „King Kong und die weiße Frau“ (1933) als Ausschlag und Inspiration Filmemacher zu werden. Zusammen mit seiner Frau Fran Walsh und Philippa Boyens schrieb er seit 1995 an einem Drehbuch über den berühmtesten Affen der Kinogeschichte. Doch erst im Jahre 2005 verwirklichte er dann endlich das gewaltige Projekt „King Kong“ mit überwältigender Optik und famoser Ausstattung.

Diese Verwirklichung im Maße seiner Vorstellungen konnte nur durch den übergroßen Erfolg der „Herr der Ringe“-Trilogie (2001-2003) ermöglicht werden, denn für die Neubelebung von „King Kong“ benötigte er ein 200 Millionen US-Dollar übersteigendes Budget. Genau handelte es sich um 207 Mio. Dollar, doch selbst dies war nicht genug, er steckte nochmals persönlich 32 Millionen in dieses Monsterprojekt hinein, wobei man erwähnen muss, dass Peter Jackson schon wie bei „Der Herr der Ringe“ anteilsmäßig am späteren Gewinn beteiligt war. Im Filmstudio der neuseeländischen Hauptstadt Wellington, wo schon der dreiteilige Epos um den Ring entstand und wo später „Avatar“ (2009) und die „Hobbit“-Trilogie (2012-2014) entstehen sollten, wurde extra eine neue Aufnahmehalle eigens für diesen Film gebaut. Inzwischen besitzt das Studio 3 solcher schalldichter und höchst moderner Filmhallen. ILM („Star Wars“ und „Jurassic Park“) der Marktführer in Sachen visuelle Effekte erkannte ebenfalls das Potenzial von Jackson und arbeitet nun schon seit einigen Jahren mit Jacksons Effekt Firma WETA-Digital („Prometheus“, „Planet der Affen: Prevolution“) zusammen, die ebenfalls in Wellington ihren Sitz hat.



                                                                                                    ©zombieapocalypse.net

Doch nun zur Geschichte, nach dem Remake von 1976 mit Jessica Lange („American Horror Story“) ist Peter Jacksons „King Kong“ die zweite Neuverfilmung des Klassikers der Regisseure Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack von 1933.  In drei Akte geteilt gliedert sich die Story in „Die Reise“, „Skull Island“ und „New York“. Der dreiste und untalentierte Filmregisseur Carl Dunham (Jack Black) hat es während der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1933 nicht leicht, niemand will seine Filme produzieren. Getrieben vom Ehrgeiz flüchtet er mit seinem Assistenten (Colin Hanks) und dem restlich verbliebenen Filmmaterial auf ein Schiff, die „Ventura“. Mit an Bord der Schauspieler Bruce Baxter (Kyle Chandler) und die junge jedoch verarmte Schauspielerin Ann Darrow (Naomie Watts), die Dunham gerade noch so überreden konnte mitzuspielen, da seine eigentliche Hauptdarstellerin abgesprungen ist. Darrows ausschlaggebender Grund für die Reise war Jack Driscoll (Adrien Brody), der Drehbuchautor, den sie abgöttisch verehrt. Gedrungener Maßen begibt sich ein Filmteam auf eine Reise zu einem Drehort, den der Regisseur Dunham selbst nur vermutet, eine alte Karte in Dunhams Besitz soll die „Ventura“ unter dem Kommando von Kapitän Engelhorn (Thomas Kretschmann) zu einer noch unentdeckten Insel Namens Skull Island führen. Dort angekommen wird Miss Darrow von Einheimischen entführt und dem eigentlichen Star des Films geopfert Kong, ein riesiger Gorilla (gewagt das dieser erst nach 70 Minuten die Leinwand betritt, doch das lässt den Spannungsbogen sich nur noch umso mehr spannen), der das arme Mädchen tief in seinen Dschungel verschleppt. Der Rest ist Kinogeschichte, erst recht wenn es im dritten Akt zum entscheidenden Kampf auf dem New Yorker Empire State Building kommt.

Die Geschichte ist einer der Klassiker Hollywoods schlechthin, mit allen Fassetten, die ein Film nur haben kann. Jackson vereint Abenteuer, Witz, Horror und Melodram zugleich. Trotz der bekannten Grundstory enthält diese „King Kong“-Verfilmung Wendungen und unvorhersehbare Momente, die einen gleichzeitig schocken und berühren. Durch Detailreichtum und einer Intensität in der Ausstattung wird man direkt in die Zeit des Geschehens versetzt. Da Jackson auch diesen Film wie schon die „Herr der Ringe“-Trilogie äußerst akribisch ausstattet, seien es Kulissen, Kostüme oder technische Fassetten, wird z.B. ein New York der 1930-er kreiert, dass an Authentizität kaum zu übertreffen ist. Er fesselt durch spannende Augenblicke, die für die Figuren schon aussichtslos scheinen und fügt verblüffende Ekel- und Schrecksequenzen hinzu. Jackson versetzte die Zuschauer schon mit Horror-Slashern wie „Braindead“ (1992) in Angst und Schrecken und selbst in „King Kong“ (2005) kann er einen so eiskalt erwischen, dass einem der Schauer den Nacken runterläuft. Alleine die Sequenzen, wenn die Crew auf Eingeborene der Insel trifft oder wenn es in einer Schlucht zum Kampf mit überdimensionalem Getier kommt, sind teilweise so gruselig, dass man sich wundert, dass der Film ein FSK von 12 Jahren besitzt.

Trotz knapper 3 Stunden Spiellänge vollbringt der Film es keine Längen zu erzeugen. 187 Minuten geht die Kinoversion, 200 Minuten der Extended Cut, und wer sich im Bonusmaterial der Blu-ray die Deleted Scenes anschaut bekommt einen Einblick welchen Ideenreichtum Peter Jackson noch so im Sinn hatte.



                                                                                                         ©bz-berlin.de

Wegen kreativer Diskrepanzen konnten sich Komponist Howard Shore („Herr der Ringe“) und Regisseur Jackson nicht einigen und so trennte man sich friedlich in diesem Werk voneinander. Shore sollte spätestens bei „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ (2012) wieder mit Peter Jackson zusammenarbeiten. Den jedoch unvollendeten Score von „King Kong“ musste James Newton Howard („The Dark Knight“) in nur 6 Wochen neu komponieren und schuf etwas, dass der nostalgischen Originalmusik des deutschen Komponisten Max Steiner („Casablanca“) aus dem Jahre 1933 ebenbürtig ist und diesen an Emotionalität sogar noch übersteigt,

Schwächen treten in diesem epochalen Werk nur vereinzelt auf, persönlich ist mir der Mittelteil an Action etwas zu überladen, da hätte auch anstatt von drei urzeitlichen Gegnern für den Riesengorilla einer gereicht, um nur ein Beispiel zu nennen. Inhaltlich erschließt mir sich zudem nicht wie der riesige Primat per stark lädierten und relativ kleinen Schiff so einfach nach New York transportiert wurden konnte. Dafür ist der Rest umso eindrucksvoller. Der überdimensionale Gorilla Kong wird durch dasselbe Verfahren zum Leben erweckt, wie einst schon Gollum in der „Herr der Ringe“. Durch modernstes Motion-Capture kreierte Andy Serkis („Planet der Affen: Prevolution“), die Mimik und Gestik des überdimensionalen Affen wahrhaft glaubwürdig. Motion Capturing und Performance Capturing ist die Bewegungs- und Darstellungs-Erfassung, die es ermöglicht das Schauspiel eines Menschen auf ein computeranimiertes Objekt zu übertragen. Andy Serkis ist Meister dieses Faches, er verblüffte uns als Gollum und perfektionierte es als Kong, in dem er die Bewegungsabläufe eines Gorillas genau studierte und diese Kenntnis über Affen später auch in den neuen  „Planet der Affen“-Filmen (2011 und 2014) anwandte. Seine Emotionen lassen sich wie bei einem echten Menschen vom animierten Gesicht des Gorillas ablesen, einfach atemberaubend und magisch. Besonders dann, wenn die oscarnominierte Naomie Watts („Mullholland Drive“, „21 Gramm“) ihre Gefühle im Zusammenspiel mit Kong preisgibt, dann entstehen trotz aller pompösen Wirkungsweise überraschend viele emotionale Momente, die dem Film den nötigen Tiefgang verleihen und ihn gezielt gen Ende zum Melodram machen. Jack Black, den man sonst nur aus Komödien wie „School of Rock“ (2003) kennt, liefert hier vielleicht seinen besten Film ab, selbst er zeigt wie gut Schauspieler in einem Blockbuster der größten Art funktionieren können. Geheimer Held des Films will Oscargewinner Adrien Brody („Der Pianist“) als Autor Jack Driscoll sein, wenn er als einziger nach herben Rückschlägen immer noch seine geliebte Ann retten möchte. Selbst deutsche Beteiligung in Form von Thomas Kretschmann („Der Pianist“) ist geboten, seine herbe Darstellung des Kapitän Engelhorns ist ein zusätzlicher Lichtblick und macht einen als Deutschen ein wenig stolz.

 



                                                                                                     ©kingkong.wikia.com

Einnehmende Bilder des Kameramanns Andrew Lesnies („Herr der Ringe“) katapultieren einen mitten ins Geschehen. Diese erstklassigen Bilder verblüffen mit Effekten, die mehr als real wirken. Das ist cineastische Kunst auf allerhöchsten technischem Niveau. Mit drei Oscars ausgezeichnet, für den besten Ton, die beste Tonmischung und natürlich für die besten visuellen Effekte ist besonders die Blu-ray ein Genuss in HD. Ein riesiges Spektakel basierend auf einer Figur, die mal nicht der zeitgenössischen Literatur entspringt, sondern nur dem Film allein gehört. Sentimentalität in rasanter Abwechslung mit Action erkennt man, wenn großes Schauspielerkino und brachiale visuelle Effektkunst zusammentreffen – erstklassige Unterhaltung, die so zu diesem Zeitpunkt (2005) noch nie dagewesen ist. So geht Werbung für das Filmemachen.
 
@Jens Bähr

  




 

Trailer unter:
https://www.youtube.com/watch?v=V00s34PFHVo

1Universal: „King Kong"
Trailerbild: ©youtube.com