Filmkritik mit Yannic
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Gladiator



„Ehre und Stärke“
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idley Scott („Alien“, „Blade Runner“) vollbringt es den Monumentalfilm in Sphären zu heben, die nur die 1950-er Jahre mit Filmen wie „Ben Hur“ oder „Spartacus“ kannten. Aus der Asche der Versenkung lässt Scott den Fil auferstehen und schafft es das Thema in neuer Form im 21. Jahrhundert wiederzubeleben.  Es entstand mit dem epochalen Werk „Gladiator“ 2000 ein monumentaler Klassiker des modernen Jahrtausends, der aus der Oscarpreisverleihung 2001 als großer Gewinner des Abends mit 5 Goldjungen, unter anderem als bester Film, aus 12 Nominierungen hervorging. Damit wurde ein Trend in Hollywood eingeleitet, welcher das Monumentalgenre ins zeitgemäße Kino katapultierte, doch mit Abstand konnten nachfolgende Produktionen wie „Troja“ von Wolfgang Petersen und „Alexander“ von Oliver Stone nicht annäherungsweise an den Vorreiter anknüpfen.
Maximus Decimus Meridius ist 180 n.Chr. gefeierter Feldherr des römischen Imperiums, soll laut Kaiser Markus Aurelius neuer Caesar des Reiches werden. Jedoch steht dem noch der Sohn von Aurelius, Commodus, im Weg. Commodus ermordet seinen Vater und will Maximus exekutieren, allerdings ahnt er nicht welche Macht Maximus auch als versklavter Galdiator immer noch besitzt. 
Die unausweichliche Kaschierung antiker Stoffe zu Gunsten Hollywoods ist heute unabdingbar, dafür bewerkstelligt es „Gladiator“ hervorragend gut ein altertümliches Bild zu vermitteln, welches die zeitlichen Umstände nicht genau schildert, aber dafür ein Gefühl der damaligen Realität transportiert. Brutalität ist allgegenwertig, gezielt wenn sich die Tore zum Kolosseums öffnen. Dahingehend einzigartig ist die epische musikalische Untersetzung der Kampfszenen durch den Soundtrack von Hans Zimmer und Lisa Gerrard, fragwürdig wird es immer bleiben wieso hier bei solch scheinbar übermenschlicher Genialität kein Oscar herausgesprungen ist, ebenso gilt dies für den am Ende erklingenden Song „Now We Are Free“. 
Ridley Scott schafft es die epische Darstellung von antiken Bildern und einem perfekt visualisierten Rom zu kreieren. Ebenso findet er einen famos brachialen Einstieg mit einer Schlacht in Germanien, die die Düsterheit außerhalb des damaligen Zentrums der Welt, Roms, symbolisieren soll, nicht umsonst heißt es im Film, dass Rom das Licht der damaligen Welt war. Dabei lässt Scott sich niemals von der Technik überrennen, er stellt die Größe die ganze Zeit nie über die Geschichte an sich. Seine Genialität bannt der leidenschaftliche Maler mit Bildern auf die Leinwand, welche Gemälden ähneln. 
„Gladiator“ vereint großes Schauspielerkino mit dem Monumentalen, was sich in der heutigen Zeit des Films schwer noch zu finden lässt oder gar vom Aussterben bedroht ist. Physische Präsenz als menschliche Kampfmaschine und schauspielerische Klasse als emotionaler Familienmensch  verbindet der Träger und Protagonist des Films Russel Crowe. Vollkommen zu Recht bekam er für seine Darstellung des Tribuns Maximus den Oscar als bester Hauptdarsteller überreicht, dieser Film verhalf ihm zu Weltruhm und die Rolle des Gladiators brannte sich in die Köpfe der Menschen ein wie es vielleicht nur Harrison Ford als Indiana Jones oder Tom Hanks als Forrest Gump schaffte. Maximus ist ein Mensch mit Herz, ein Tribun mit Loyalität wofür ihn seine Soldaten lieben. Und nicht nur auf dem Schlachtfeld sondern auch in der Arena zu Zeiten der Rache besitzt er stets einen klar definierten Plan, Selbstbeherrschung und Strategie, wie es z.B. an einer Rekonstruktion der Schlacht um Karthargo im Verlauf des Films sichtbar ist. Sein Antrieb bleibt immer der Wunsch nach Hause zurückzukehren und nicht wie erwartet Rache am Mörder seiner Familie zu nehmen. Er stellt sich der Herausforderung den Tod zu besiegen um mit seiner Familie im Jenseits endgültig wiedervereint zu werden. Sein Kontrast ist Joaquín Phoenix als Commodus, dem durch fehlende Liebe und eine schlechte Vaterbindung viel Schwäche verliehen wird, welche ihn aus seiner Einsamkeit zur Eifersucht treibt und gleichzeitig so viel Gier und Machtstreben in ihm aufbauen lässt, dass sie ihm zum Verhängnis wird. Diese Besessenheit spornt seine Ideale und größenwahnsinnigen Zukunftsvisionen an, die auf Kosten von Hungersnot und Pest sich aufbauen werden. Als sein Vater hat Mark Aurel selbstschuldzuweisend versagt, für ihn ist Maximus mehr sein Sohn als es sein eigenes Fleisch und Blut Commodus je sein wird. Der gewissenhafte, lebenserfahrene Imperator, der Fehler eigens eingesteht wurde von der 2002 verstorbenen britischen Schauspielgröße Richard Harris (Prof. Dumbledore aus „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“) verkörpert. Das weibliche Licht des Films ist Connie Nielsen, der man von den ersten Einstellungen an anmerkt, dass ihre Figur der Lucilla ihr Herz an Maximus verschenkte. Selbst deutsche Beteiligung wird durch den ehemaligen Bodybuilder Ralf Möller als hünenhaften Gladiator Hagen wiedergegeben.
„Gladiator“ wirkt ganzheitlich erfassend mehr als modernes Moralstück statt als innovativer antiker Actionaufguss, dadurch ist der große kommerzielle und kritische Erfolg erklärbar, da dieses Werk simple und anmutig als guter Film und Gesamtheit wirkt, nicht als neue Art dem alten Rom mit seinen blutigen und muskelbepackten Gladiatoren erneut Leben einzuhauchen. Dialoge mit Nachdenklichkeit und Sphären der Poesie, welche allgegenwärtig auf das Heute projiziert werden können, verkörpern den Bezug zum Jetzt. Auch der Konflikt zwischen Diktatur und Demokratie zeigt die Aktualität des römischen Reiches in „Galdiator“ auf. Die abgebildete Korruption ist so vielseitig auf verschiedene Bereiche der Gesellschaft anwendbar, dass auch ihr aktueller Bezug außer Frage steht und stets Thema der Geschichte und Zukunft sein wird. Egal worum es geht, zentrales Motiv des Lebens um seine Ziele zu verwirklichen ist, dass man die Menschen  erreicht, im Film steht Maximus vor der Aufgabe das Publikum der Arena für sich zu gewinnen um sein Schicksal selbst zu gestalten. Aus Angst vor der Wirklichkeit stehen die antiken römischen Spiele als Flucht vor den wahren Problemen und kaschieren ständig über das Elend und Leid hinweg, so wie heute viel zu oft der Menschheit die rosarote Brille durch beispielsweise Sportveranstaltungen aufgesetzt wird um von der Realität und deren essenziellen Problemen abzulenken. Die Frage nach Vertrauen ist ebenso wesentlicher Gegenstand, welche gegen Ende des Films wegweisender Bestandteil der Geschichte wird und einen entscheidenden Platz einnimmt. In einer Dreiaktstruktur dient das Jenseits als roter Faden und der Tod als Errettung geht analog mit einem Happy End Hand in Hand. Die darüber hinaus fundamental wichtigen Elemente für eine gute Geschichte: Intrige, Rache und Liebe, fließen in „Gladiator“ im Sand des Kolosseums zu einem filmischen Meisterwerk zusammen, in dem am Ende das Elysium, das Bestreben nach Glückseligkeit und nach endgültiger Freiheit als Erlösung stehen.

Bewertung: 10/10 Punkte – Sandalenepos mit einer Mischung aus großer Schauspielkunst und monumentaler Unterhaltung, ein 100 Millionen US-Dollar teures Rom in der A-Liga Hollywoods, ein Meisterstück wie es nur alle 10 Jahre vorkommt

1Universal: „Gladiator“





Bildquellen:
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https://www.youtube.com/watch?v=JENO6uClY2E&hd=1