Filmkritik mit Yannic
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Django Unchained



„Das D ist stumm!“
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ie gewohnt brutal und skrupellos inszeniert Kultregisseur Quentin Tarantino 2012 „Django Unchained“. In Deutschland am 17.01.2013 in die Kinos gekommen wirkt diese Hommage an die Spagetti-Western eines Sergio Leone oder Sergio Corbucci schon fast parodistisch, in Verbindung dazu bildet „Django“ in diese Richtung vielleicht den witzigsten Film in Tarantinos Laufbahn, da das Timing der Dialoge stets stimmt und auch teils mit diversen Anspielungen auf Situationskomik ausgelegt ist. Bestechend sind die überschäumend überragend fotografierten Bilder von Oscar-Preisträger Robert Richardson ("Hugo Capret") und ein mehr als cooler Soundtrack, wie gewohnt zollt Tarantino Ennio Morricone Tribut und scheut auch nicht davor zurück Hip-Hop mit Funk und Soul zu kombinieren und dies in einem Western zu platzieren. Extremst wirken tut diese Kombination beispielsweise auf dem Weg zu einer Baumwollplantage. Schlichtweg eine durchgängig exzellente Musikauswahl. Denn die kurz vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg angesiedelte Story hat keine Angst das besonders in den USA verdrängte und heikle Thema der Sklaverei auf eine andere Weise anzusprechen. Wie schon in „Inglourious Basterds“ (2009) schmeißt Tarantino den Lauf der Geschichte mal wieder etwas durcheinander, ein Nachteil ist das jedenfalls nicht, denn so entstehen zusätzliche urkomische und kollegial geniale Szenen, wie es beispielsweise mit einer parodistischen Vorahnung auf den Ku-Klux-Klan der Fall ist. Trotz einer Länge von 165 Minuten greift der Film stets durch das cineastische Können des Quentin Tarantinos, denn z.B. mit Rückblenden, überaus treffenden Slomos, heute untypischen Zooms und in erster Linie seinen grandiosen Schauspielern weis „Django Unchained“ zu verführen. Christoph Waltz (Oscar 2010 als bester Nebendarsteller in Tarantinos "Inglourios Basterds"), der hier für seine Leistung mit dem zweiten Goldjungen in der selben Kategorie ausgezeichnet wurde, brauch vor der Kamera seine deutschen Wurzeln nicht einmal leugnen, allein wegen seiner Spielart ist der Streifen sehenswert. Seine gekonnt hochtragende Wortwahl, seine ganze Erscheinung faszinieren und fesseln ungemein, den Anfang des Films könnte man schon fast als seine One Man Show auffassen, denn der erste Akt obliegt als witzigster Part mit den besten Dialogen fast alleinig Waltz. Zur Seite gestellt bekommt er Jamie Foxx ("Colleteral") als Sklaven Django, dem die Story zugrunde liegt, er trägt die größte Verantwortung, denn er muss die Geschichte vorantreiben, gegen Ende gelingt dies nicht mehr ganz so übermäßig. Djangos Ziel ist seine Frau die schöne Broomhilde (Kerry Washington), welche im Verlauf des Geschehens die Brutalität der Zeit am eigenen Leib zu spüren bekommt. Als weiterer Star wurde Leonardo DiCaprio ("Inception") verpflichtet, der schon bei "Inglourious Basterds" vergebens versuchte mit an Bord zu kommen, und wie fast immer bei Tarantino spielt auch Samuel L. Jackson ("Pulp Fiction") mit, der für sein kantiges Auftreten und nennen wir es mal „Eigenrassismus“ eigentlich genau wie DiCaprio auch eine Oscar Nominierung als beste unterstützende Figur durchaus verdient hätte. Gespickt mit Gaststars und witzigen Cameo-Auftritten aus alten Western-Zeiten und der Moderne erkennt man bekannte Gesichter wieder und wird teils sogar überrascht – seien Sie gespannt! Der zum Ende zum Rachefeldzug avancierende Film bekommt dahingehend seine Längen, doch ist er in filmischer Hinsicht so gut wie perfekt und bietet als Kontrastprogramm ein exzellentes Kinoerlebnis. „Django Unchained“ spricht heikle Themen ironisch an, schafft es dabei mit tollen Kulissen, zahlreichen Zitaten, Ernsthaftigkeit als tiefen Kontrast mit Witz zu verbinden. Tarantino baut nicht mehr wie früher auf die Kraft der Dialoge wie es z.B. in „Resevoir Dogs“ (1992) oder „Pulp Fiction“ (1994) der Fall war, viel mehr verwirklicht er sich diesmal in epischen Bildern und blutigen Schusswechseln.

Bewertung: 9,5/10 Punkte – Verbeugung vor den Western der 60-er auf die blutige und kultige Art des Quentin Tarantino, manchmal zäh, doch bei dieser Parade der bester Nebendarsteller überwiegt sehr deutlich der neu eingeschlagene Weg der überwältigend fotografierten Bilder

1Blu-Ray MIRAMAX: „Django Unchained“





Bildquellen:
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